Sperlonga heute: Einer der schönsten Flecken Italiens

"Verbindung von urbanem Stil, architektonischer Harmonie, Lebensqualität, künstlerischem und historischem Rang, außerdem moderne Dienstleistungen für die Bürger", das sind die Voraussetzungen für die Aufnahme in den Club "I Borghi più belli d'Italia", die "schönsten Dörfer Italiens".

Mit Blick auf das Tyrrhenische Meer, auf halbem Weg zwischen Rom und Neapel, thront das alte Dorf Sperlonga oben auf einem Felsvorsprung des Monte Magno. Die städtebauliche Struktur ist typisch mittelalterlich. Das Dorf ist wirklich malerisch und romantisch mit seinen weiß getünchten Gebäuden, mit den kleinen Bögen in den engen Gassen, die sich von Zeit zu Zeit öffnen und einen Blick auf Meer und Himmel freigeben. Dreh-und Angelpunkt des gesamten Lebens ist die "Piazetta", der trubelig-romantische kleine Platz oben, mitten im alten Ort. Die Ikone von Sperlonga ist der "Torre Truglia", trotzig auf eine Klippe an der Spitze der Landzunge im Jahr 1532 auf römische Fundamente gebaut. Zerstört, im Jahre 1611 wieder aufgebaut, im Jahre 1623 erneut zerstört, nur um im nächsten Jahrhundert wieder aufzuerstehen. Die Strände von Sperlonga erstrecken sich über etwa 10 km. Im Westen (Ponente) finden sich die Strände Bonifica, Salette, Canzatora und Fontana. Vorbei am Torre Truglia liegen dann im Osten die Strände Angolo, Bazzano und Bambole. Die älteste Kirche der Region ist Santa Maria di Spelonca aus dem 12. Jahrhundert. (XII sec.) Sie wurde zu einer attraktiven, modernen Begegnungsstätte umgewidmet. Eine Reise wert ist auch das Nationale Archäologische Museum, das im Jahre 1957 errichtet wurde, und zwar in unmittelbarer Nähe der Grotte des Tiberius. Die Ruinen der kaiserlichen Villa, ein Nympheum und eine große Fischzucht lassen sich hier besichtigen. Das Museum versammelt umfangreiche Gruppen antiker Statuen, die hier gefunden wurden und auf den Mythos von Odysseus zurückgehen. Zu den Naturschönheiten in dieser Region zählen auch die beiden Seen, bekannt als die "Augen" von Sperlonga: der kreisförmige S. Puoto und der Lago Lungo. Insgesamt ist die Gegend ideal für Open-Air-Sportarten: Wasser-Ski, Tauchen, Angeln, Radfahren, Wandern, Klettern, Reiten und Tennis. Die mediterrane Küche bietet Fischgerichte (Sardellen, Sardinen, Tintenfische, Seespinnen, Heuschreckenkrebs und dann Muscheln in allen Varianten) und Gemüse (Tomaten und Sellerie aus Sperlonga, Salat, Oliven aus Gaeta), nicht zu vergessen das lokale Olivenöl.

...und gestern

Schon die Steinzeit hat Spuren von Besiedelung in der Gegend hinterlassen. Sperlonga selbst geht dann auf die Stadt Amyclae zurück, eine Gründung der Spartaner.

In der Römerzeit entstanden in der Region Sperlonga zahlreiche Villen. Die berühmteste davon ist die kaiserliche Villa des Tiberius, zu der eine natürliche Höhle gehört und die mit Skulpturen dekoriert war, die dem homerischen Odysseus-Zyklus zuzuordnen sind. Die Villen waren auch Zentren der Fischwirtschaft (Zuchtbecken). Die Ruinen der kaiserlichen Villa wurde als Zufluchtsort im sechsten Jahrhundert verwendet. Die Stadt entstand dann rund um eine Burg auf der Landzunge von San Magno (65 m über dem Meer), ein Ausläufer der Monti Aurunci. Sie hatte ihren Namen von den zahlreichen natürlichen Höhlen in der Umgebung (speluncae) und diente mit ihrer Befestigung der Verteidigung gegen die häufigen Überfälle der Sarazenen, die das Leben von See her bedrohten. Der Name eines Castrum Speloncae erscheint erstmals in einem Dokument des zehnten Jahrhunderts, das eine befestigte Burg im Zusammenhang einer kleinen Kirche San Pietro (der Schutzheilige der Fischer) erwähnt. Ausgehend von der Burg wurde dann allmählich das ganze Land in konzentrischen Kreisen erschlossen. Im elften Jahrhundert war die Stadt dann von Mauern umgeben, von deren Existenz noch zwei Satdtore zeugen: Die "Portella" (auch "Porta Carrese") und die "Porta Marina", die beide das Wappen der Familie Caetani tragen.

Der Strand

Sperlonga blieb ein kleines Fischerdorf, ständig von Piraten bedroht und in der Gefahr, dass seine Einwohner in die Sklaverei entführt würden (Daran erinnern verschiedene Wandmalereien). Obwohl die Küste befestigt wurde und zum Zweck der Verteidigung eine Reihe von Türmen errichtet wurden, sollte die Stadt im Jahr 1534 durch einen Angriff der sarazenischen Piraten Khair Ad-Din, genannt Barbarossa, zerstört werden. Eine zweite Zerstörung durch die Türken war im Jahr 1622 zu beklagen. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wurde die Stadt wieder aufgebaut und nahm ihre heutige Form an. Errichtet wurden sowohl Kirchen als auch Herrenhäuser. Sperlonga gehörte seit Jahrhunderten dem Königreich Neapel und dann dem Königreich beider Sizilien an. Es war Teil der alten Provinz Terra di Lavoro im Distrikt Gaeta. Auch nach der militärischen Niederlage von Franz II. von Bourbon und der anschließenden Vereinigung des Königreichs beider Sizilien mit dem Königreich Sardinien, später umbenannt in Königreich Italien im Jahr 1861, war Sperlonga Teil dieser Provinz. Im Jahr 1927 wollten die Faschisten aus politischen Gründen neue Verwaltungseinheiten mit neuen Grenzen schaffen. Sperlonga wurde der Provinz Rom in der Region Latium zugeordnet und nicht der neu gebildeten Provinz Caserta, die zu der Region Kampanien gehörte. Ab 1934 wurde Sperlonga dann der neu gebildeten Provinz Latina zugeordnet. Die Entwicklung des Tourismus setzte am 9. Februar 1958 ein,und zwar mit der Eröffnung der Küstenstraße zwischen Terracina und Gaeta. Durch diese Straße wurde eine jahrhundertealte geographische Isolation beendet und das Land konnte sich allmählich aus der extremen Armut befreien, die es geprägt hatte. Eine weitere dynamische Entwicklung wurde dann durch die Entdeckung der Skulpturen aus der Villa des Tiberius (1957) ausgelöst. Und auch die Ankunft eines außergewöhnlich Touristen spielte eine Rolle: Es handelte sich um den Schauspieler Raf Vallone. Er war einer der ersten Ausländer, der Schauspieler, einer der ersten Prominernten, die in Sperlonga ihr Herz verloren und dem Platz treu blieben.